Positionspapier 2012

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FDP Positionspapier 26 01 12-4
26.01.2012
FDP Positionspapier
Ansätze zur Sicherung der
Zukunftsfähigkeit der Stadt Erkrath

Präambel

Die FDP sorgt sich um die Zukunft Erkraths. Deshalb formuliert die FDP Erkrath in diesem Positionspapier Ansatzpunkte, die geeignet sind, die Attraktivität Erkraths mittelfristig für die eigene Bevölkerung wie auch die außerhalb Erkraths lebenden Menschen zu erhöhen und damit die Zukunft der Stadt zu sichern.
Gründe zur Besorgnis

1. Die Bevölkerung Erkraths schrumpft.
Seit Mitte der Neunzigerjahre ist der Saldo der natürlichen Bevölkerungsentwicklung in Erkrath negativ, d.h. es sterben mehr Menschen als Kinder geboren werden.
Gravierender ist, dass seit etwa 1997 eine kontinuierliche Abwanderung stattfindet. Insbesondere jüngere mobile Menschen ziehen fort, während die Älteren zurückbleiben.
2. Die Bevölkerung Erkraths wird älter
Wenn sich die aufgezeigte Bevölkerungsentwicklung in den nächsten 20 Jahren fortsetzt, ist abzusehen, dass dann die 60-70 jährigen die stärkste Bevölkerungsgruppe in Erkrath aus-machen werden.
3. Der Anteil der Single-Haushalte hat zugenommen.
Die jungen Erwachsenen verlassen ihre Familien heute in jüngeren Jahren und bleiben zudem länger alleinstehend als früher. Am anderen Ende der Altersskala bleiben die Älteren – zu zweit oder wieder alleinstehend – aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung und der gewachsenen Komfortansprüche länger in ihren ursprünglich für ganze Familien konzipierten Wohnungen und Häusern.
Die Folge ist eine ganz andere Wohnraumnutzung als in der Vergangenheit, d.h. die genutzte Wohnfläche pro Einwohner hat deutlich zugenommen. Dieser Trend wird sich noch verstärken.
Das bedeutet: Es stehen trotz des bisherigen Bevölkerungsverlustes nur wenig Wohnungen oder Häuser frei. Auch zukünftig wird das Wohnraumangebot für Wohnungssuchende aus Erkrath und den umliegenden Städten kaum ausreichen. Bei großen, für Familien geeigneten Wohnungen ab vier Zimmern besteht schon jetzt ein ausgesprochener Mangel.

Die Zukunft Erkraths ist gefährdet

Das kommunale Einnahmesystem in Deutschland basiert in hohem Maße auf den Bevölkerungszahlen der Gemeinden. Damit entscheiden auch die Bevölkerungszahlen über deren finanzielle Handlungskraft.
Vor diesem Hintergrund führen die aufgezeigten Bevölkerungsentwicklungen zum selben Ergebnis:
Die Einnahmen der Stadt Erkrath aus den einkommensteuerbezogenen Steuerzuweisungen werden sinken, denn
  • weniger Einwohner bedeuten weniger Einkommensteuerzahler,
  • Rentner und Pensionäre zahlen durchschnittlich weniger Einkommensteuer als die erwerbstätigen Bürgerinnen und Bürger.
Umso wichtiger wird es für die Stadt Erkrath in Zukunft sein, die zweite wichtige Säule des kommunalen Einnahmesystems, nämlich das Gewerbesteueraufkommen, nicht nur zu sichern, sondern zu stärken.
Schon 2010 bestand für die Stadt Erkrath die Gefahr, für 2011 und die Folgejahre ein Haushaltssicherungskonzept aufstellen zu müssen, weil geplante Ausgaben und erwartete Einnahmen einschließlich der zulässigen Neuverschuldung zunächst nicht in Deckung zu bringen waren. Wie die Erfahrungen in anderen Städten zeigen, ist ein Haushaltssicherungs-konzept auf der Ausgabenseite mit einem “Streichkonzert” insbesondere bei den freiwilligen städtischen Leistungen und auf der Einnahmeseite mit Erhöhungen der kommunalen Steuern und Gebühren bzw. Leistungspreisen verbunden.
Von daher ergeben sich aus der sich für Erkrath abzeichnenden Bevölkerungsentwicklung vor allem zwei Schlussfolgerungen:
  1. Es wird für die Stadt Erkrath in Zukunft noch deutlich schwieriger, ein Haushaltssicherungskonzept zu vermeiden und die freiwilligen städtischen Leistungen aufrecht zu erhalten bzw. auszuweiten.
  2. Es wird für die Stadt Erkrath auch zunehmend schwieriger, für eine abnehmende Bevölkerung städtische Leistungen in hinreichender Quantität und Qualität einerseits zu angemessenen Kosten vorzuhalten und andererseits zu Gebühren und Leistungspreisen anzubieten, die die Bürgerinnen und Bürger tragen können bzw. wollen.
Hinzu kommen die negativen Auswirkungen auf Handel und Gewerbe und das kulturelle Leben in der Stadt.
Die nicht zu vermeidenden Einbußen in Handel und Gewerbe führen zwangsläufig zu einer Verminderung des Waren- und Dienstleistungsangebots in der Fläche. Auch das kulturelle Angebot wird sich einer sinkenden Bevölkerungszahl anpassen müssen. Eine solche Verarmung des gesellschaftlichen Lebens trifft alle Generationen – auch die älteren Bürgerinnen und Bürger.
Es ist zu befürchten, dass Erkrath mittelfristig für die eigene Bevölkerung wie auch die außer-halb Erkraths lebenden Menschen an Attraktivität verliert – mit dem Ergebnis, dass sich die für Erkrath aufgezeigten negativen Entwicklungstrends weiter verstärken.
Das bedeutet weiterhin: Die Zukunft Erkraths ist gefährdet!

Abgrenzung zum Stadtentwicklungskonzept

Um die aufgezeigten negativen Entwicklungstrends aufzuhalten, sind kreative Maßnahmen notwendig, die dazu beitragen können, die Zukunftsfähigkeit Erkraths zu sichern.
Ob es dafür notwendig gewesen wäre, so viel Steuergeld für ein externes Gutachten aus-zugeben – am Ende könnten es bis zu 200.000 Euro werden -, hat die FDP Fraktion im Erkrather Rat zu Recht in Zweifel gezogen.
Dessen ungeachtet ist nach Beschluss der Ratsmehrheit aus SPD, BmU und Grünen das Planungsbüro plan-lokal GbR, Dortmund beauftragt worden, für Erkrath ein Stadtentwicklungs-konzept zu erstellen.
Immerhin werden die Überlegungen der FDP Erkrath durch die bisherigen statistischen Arbeiten der Gutachter von plan-lokal bestätigt. Einige Ergebnisse von plan-lokal sind Teil der “Statistische(n) Grundlagen” im Anhang dieses Positionspapiers.
Mit dem Stadtentwicklungskonzept werden die politischen Weichen für die Entwicklung Erkraths in den nächsten 15-20 Jahren gestellt. Es ist klar, dass die Initiatoren des Stadtentwicklungs-konzepts nichts unversucht lassen, im Sinne ihrer politischen Zielsetzungen die Akzente zu setzen.
Aber: Die im Stadtentwicklungskonzept aufzuzeigenden Entwicklungsperspektiven dürfen nicht von vornherein durch bestimmte Arbeitsprämissen beschnitten werden.
Weder die Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen, noch der Erhalt und die Festlegung der dreipoligen Stadtstruktur, noch der Schutz und die durchgängige Entwicklung der regionalen Grünzüge und innerstädtischen Grünverbindungen, noch der Erhalt und die Entwicklung der charakteristischen und artenreichen Natur und Kulturlandschaft als Voraussetzung für die landschaftsbezogene Erholung, noch die Stärkung des Umweltschutzes halten die jungen Menschen in Erkrath oder bringen uns Zuzüge aus anderen Städten.
So berechtigt jedes dieser Ziele auch sein mag, sind sie zusammengenommen als alleinige Grundlage der Stadtentwicklung ungeeignet. “Die Vitalität einer Stadt mit immer weniger, aber dafür immer älter werdenden Menschen lässt sich nun mal nicht mit Pusteblumen finanzieren”, schrieb Arnulf Ramcke in einem Kommentar in der Westdeutschen Zeitung vom 30.07.2011.
Deshalb setzt sich die FDP Erkrath für Ideen und Konzepte ein, die geeignet sind, der Abwanderung insbesondere junger Menschen und Familien entgegenzuwirken und gegebenen-falls sogar eine Zuwanderung aus anderen Städten zu ermöglichen.
Hilfreich ist ein Blick in das Stadtentwicklungskonzept Düsseldorf, das sich u.a. mit der unter-schiedlichen Bevölkerungsentwicklung in den Düsseldorfer Stadtteilen befasst (siehe dort Seite 35):
“Es ist naheliegend, dass die Höhe der zu erwartenden Bevölkerungszuwächse in den Stadtteilen in großem Maße von der Umsetzung des geplanten Wohnungsneubaus abhängt. Während Bevölkerungsgewinne fast immer mit neuer Wohnbebauung einhergehen, sind Stadtteile mit stark abnehmender Bevölkerung in der Regel von hohen Wanderungsverlusten (Fortzügen) betroffen.”
Ziele und Zielgruppen des Positionspapiers
Erkrath steht am Scheideweg. Entweder Erkrath ergibt sich dem Trend und mutiert in den nächsten 20 Jahren mehr und mehr zur Altenwohnstadt, oder Erkrath widersetzt sich und ergreift die Maßnahmen, die notwendig sind, um den Trend aufzuhalten oder sogar umzukehren.
Die FDP Erkrath hat sich eingehend mit der Frage auseinandergesetzt, welche Maßnahmen notwendig sind, um die Zukunftsfähigkeit der Stadt Erkrath zu sichern. Ziel dieses Positions-papiers ist es, die Ergebnisse zusammenzufassen und in den notwendigen Gesamt-zusammenhang zu stellen.
Die FDP Erkrath wendet sich mit diesem Positionspapier an alle Erkrather. Alle Bürgerinnen und Bürger sollen sich in Erkrath wohlfühlen. Alle – ob Alteingesessene oder Zuwanderer, ob Singles oder Familien, ob jung oder alt – verdienen die gleiche Aufmerksamkeit.
Die FDP setzt sich dafür ein, dass Erkrath eine Mehrgenerationenstadt bleibt. Deshalb ist klar, dass sich die zur Zukunftssicherung Erkraths notwendigen Maßnahmen weniger an den Älteren, sondern vielmehr an den 20-40 jährigen orientieren müssen. Von daher geht es in erster Linie darum, die Attraktivität Erkraths zu verbessern für
  • junge Familien
  • Alleinerziehende
  • Singles und Paare mit Kinderwunsch
  • Männer und Frauen mit hohem Ausbildungsstand und entsprechenden beruflichen Ambitionen.
Aufgrund der guten Verkehrsanbindung muss sich Erkrath nicht als Provinz fühlen und kann deshalb auch für junge Singles durchaus eine Alternative zu einer Metropole wie Düsseldorf sein.
Wohnraum für Alteingesessene und Zuwanderer
Weil trotz des Bevölkerungsverlusts auch in den nächsten Jahren kaum Wohnfläche frei wird, setzt sich die FDP dafür ein, jungen Menschen und Familien den notwendigen, bedarfs- gerechten Raum zu geben, um in Erkrath zu bleiben oder sich hier anzusiedeln “Bedarfsgerecht” heißt z.B. bei jungen Familien oftmals kompakte Reihen- und Stadthäuser mit kleinem Garten.
Trotzdem bleibt es wichtig, mit den vorhandenen Flächen behutsam umzugehen. In diesem Sinne spricht sich die FDP konkret für vier Maßnahmen aus:
  • Erstellung eines Erkrath-Atlas, der die Baulücken in an sich bebauten Gebieten und – soweit das rechtlich möglich ist – größere nur teilweise bebaute und grundsätzlich teilungsfähige Grundstücke aufzeigt (“Baulücken-Kataster”).
  • Prüfung und ggf. Änderung der baurechtlichen Situation, falls bestehende Bebauungspläne oder Bauvorschriften der Teilung von größeren, teilweise bebauten Grundstücken teilungs- williger Eigentümer entgegenstehen. (Das wäre zugleich ein begrüßenswerter Beitrag zum Bürokratieabbau!)
  • Konkrete Beratung und Hilfe der Stadtverwaltung bei der Grundstückssuche, z.B. durch Einrichtung einer Internet-Plattform und einer besonderen, öffentlich -und auch außerhalb Erkraths – bekannt gemachten Anlaufstelle für Grundstücksuchende.
  • Regelmäßige Ausweisung von zusätzlichen neuen Baugebieten.
Ein Neubaugebiet muss nicht immer groß sein. Wichtig ist es, mit der Ausweisung kleinerer Baugebiete im Sinne einer “Leuchtturmstrategie” im Rahmen des Erkrath-Marketing von Zeit zu Zeit Akzente zu setzen und die Bau- bzw. Kaufinteressierten im Umland auf Erkrath aufmerksam zu machen.
Erkrather Arbeitsplätze für Erkrather
Die Attraktivität Erkraths als Wohnstadt erhöht sich zwangsläufig für diejenigen, die in Erkrath Arbeit finden. Dementsprechend ist es wichtig, dass in Erkrath in dem möglichen Rahmen Arbeitsplätze angeboten werden. Dies verlangt Rahmenbedingungen, die Erkrath auch als Unternehmensstandort attraktiv machen.
Die Attraktivität als Unternehmensstandort ist zugleich notwendige Voraussetzung, um der Stadt Erkrath ein stabiles Gewerbesteueraufkommen zu sichern.
Zeitweilige Leerstände von Gewerbeflächen bedeuten nicht, dass sich jegliche Entwicklung neuer Gewerbegebiete erledigt hat. Ein Leerstand von ca.15% aller gewerblichen Flächen ist selbst für Metropolen wie Frankfurt normal. Insofern sind Leerstände an sich kein Problem. Das Problem entsteht erst dann, wenn leerstehende, zumeist weniger attraktive gewerbliche Flächen als Argument genutzt werden, um die Ausweisung von attraktiven gewerblichen Flächen zu verhindern.
Die FDP Erkrath setzt sich für folgende Maßnahmen ein:
  • Aktive Vermarktung von leerstehenden Gewerbeflächen

    Dazu empfiehlt sich der Aufbau eines Netzwerkes über die entsprechenden Kammer- und Verbandsorganisationen. Dabei geht es nicht nur um Information, sondern um Kommunikation. Wenn potentielle Interessenten nicht von sich aus kommen, muss man eben hingehen… . Wer unter dem Titel “Wirtschaftsförderung” die Wirtschaft fördern will, darf nicht nur Ansprech- partner sein, sondern muss selbst ansprechen!

  • Bedarfsgerechte Ergänzung bzw. Erweiterung vorhandener Gewerbeflächen

    Ergänzungen bzw. Erweiterungen sollten behutsam vorgenommen werden und – um eine Zersiedlung zu vermeiden – an vorhandene Gewerbeflächen angrenzen. Solche Maßnahmen sollten in enger Zusammenarbeit mit den Interessenten angegangen werden. Es ist allemal erfolgversprechender, eine Gewerbefläche mit den zukünftigen Nutzern zu entwickeln, als für ein fern von der Praxis entwickeltes Konzept später die Nutzer zu suchen. Die Stadt Erkrath sollte hier unbedingt die Erfahrungen der in Erkrath ansässigen Unternehmen und Verbände wie des Wirtschaftskreis Erkrath e.V sowie des erkrath initial e.V. nutzen.

  • Aufrechterhaltung von Optionen zur Entwicklung neuer Gewerbeflächen.
  • Gezielte Ansiedlung von personalintensivem Gewerbe
  • Schaffung eines Erkrather Stellenmarktes
  • Kontaktpflege mit Erkrather Handwerksbetrieben und Unternehmen
“Erkrather Arbeitsplätze für Erkrather” – so könnte der Arbeitstitel einer daraus entstehenden Aktion lauten.
Kinderbetreuung
Berufstätige Eltern benötigen für ihre Kinder eine verlässliche, planbare und bezahlbare Betreuung. Dies gilt insbesondere für die unter Dreijährigen (U3), im Kindergarten und in der offenen Ganztagsschule.
Fehlende Planungssicherheit bei der Unterbringung ihrer Kinder ist insbesondere für Allein-erziehende und Wiedereinsteiger eine erhebliche Behinderung bei der Ausübung eines Berufs.
Deshalb müssen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die Eltern in Erkrath Planungssicherheit haben, und wenn es zum Beispiel nur darum geht, berufstätigen Eltern zu ermöglichen, ihrem Arbeitgeber am Jahresanfang konkrete Angaben zur Urlaubsplanung zu machen.
In folgenden Punkten sieht die FDP Erkrath Handlungsbedarf:
  • Es muss sichergestellt sein, dass bereits zum Zeitpunkt der Anmeldung Planungssicherheit – besteht. Notwendig sind – ggf. unter Einbeziehung privater Träger – zentrale, von der Stadt Erkrath koordinierte und transparente Anmeldeverfahren sowohl für die U3- Betreuung und die Kindergärten als auch die Grundschulen, insbesondere offene Ganztagsschulen.
  • Bereits für die U3-Betreuung müssen ausreichend Plätze zur Verfügung stehen. Was große Unternehmen für sich allein realisieren können, sollte als Verbundlösung auch in Erkrath versucht werden, nämlich die Einrichtung einer Kinderkrippe mit Beteiligung Erkrather Unternehmen. Als Gegenleistung haben die Unternehmen für ihre Mitarbeiter ein Vorrecht bei der Anmeldung für eine solche Kinderkrippe.
  • Zwischen U3-Betreung und Kindergarten muss – unabhängig vom kalendarischen Beginn eines Kindergartenjahres – ein flexibler Übergang möglich sein.
  • Für die Kindergartenkinder muss eine bedarfsgerechte Wahl zwischen der 25-Stunden-, 35-Stunden- und 45-Stunden-Betreuung möglich sein. Es ist nicht akzeptabel, dass eine Über-Mittag-Betreuung nur im 45-Stunden-Modell und mit den entsprechenden Kosten möglich ist, obwohl eine 35-Stunden-Betreuung ausreichen würde. Freie Kindergartenträger zeigen sich hier wesentlich flexibler und damit kundenfreundlicher als die Stadt Erkrath.
  • Eine ausreichende Anzahl an OGS-Plätzen muss eine Selbstverständlichkeit sein. Die Stadt Erkrath muss hier die rechtlichen Voraussetzungen schaffen, damit die Bereitstellung von Betreuungsplätzen in der OGS städtische Pflichtaufgabe ist und im Zuge eines ggf. notwendigen Haushaltssicherungskonzepts nicht als freiwillige Leistung auf die Streichliste gerät.
  • Soweit die Stadt Erkrath keine eigenen Möglichkeiten hat, dem Betreuungsbedarf zu entsprechen, soll sie private Betreuungsangebote fördern und private Dienstleister in ihr eigenes Leistungsangebot einbeziehen. Bei der Nachmittagsbetreuung in der OGS gibt es bereits positive Erfahrungen mit einem privaten Dienstleister.
  • Im Sinne einer regelmäßigen Qualitätskontrolle sollen Eltern die Möglichkeit erhalten, mindestens einmal jährlich die Leistungen der Betreuungseinrichtung ihrer Kinder zu beurteilen.
  • Trotz der vollständigen Umstellung aller weiterführenden Schulen auf den Ganztagsbetrieb stellen die jährlich 12 Wochen andauernden Schulferien erwerbstätige Eltern und insbesondere Alleinerziehende vor unlösbare Aufgaben. Deshalb strebt die FDP eine Erweiterung des “Ferienspaßes” der Stadt Erkrath auf die Oster- und Herbstferien an und wird sich dafür einsetzen, dass die Programme bereits im Januar veröffentlicht und online gebucht werden können.
Schule / Bildung
Die Qualität von Schulen ist für Eltern bei der Wohnortsuche ein wesentliches Entscheidungs-kriterium. Von daher trägt die Qualität der Schulen in starkem Maße zum Image einer Stadt bei.
Dementsprechend muss es eine vorrangige Aufgabe der Stadt Erkrath sein, insbesondere ihren weiter-führenden Schulen dabei zu helfen, ein für Eltern sowie Kinder und Jugendliche attraktives Profil zu entwickeln.
Ein gesunder Wettbewerb zwischen den weiterführenden Schulen in den Stadtteilen Alt-Erkrath und Hochdahl hilft den Schulen, ihr Profil zu schärfen, und ist insofern grundsätzlich zu begrüßen. Andererseits sollten die beiden Realschulen und insbesondere die beiden Gymnasien auf jeden Fall kooperieren, wenn dies hilft, das bestmögliche Fächerangebot und die bestmögliche Unterrichtsqualität sicherzustellen. Die FDP erwartet von der Stadt Erkrath, dass sie solche Kooperationen nachdrücklich fordert und fördert.
Nachdem die Schließung der Albert-Schweizer-Schule bereits feststeht, ist zu befürchten, dass auch die zweite Erkrather Hauptschule, die Carl-Fuhlrott-Schule in Hochdahl, auf lange Sicht nicht zu halten sein wird. Damit in Erkrath auch danach noch eine dem Hauptschul-Profil entsprechende Schullaufbahn angeboten werden kann, bietet sich eine Überführung dieser Hauptschule in eine Sekundarschule an.
Freizeitangebote
Was ist für die Jugendlichen das Schönste an Erkrath? Man kann den Eindruck haben, es sind Bus und Bahn nach Düsseldorf. Aufgrund der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen kann Erkrath kaum mit einer Metropole wie Düsseldorf konkurrieren. Trotzdem muss es auch in Erkrath Angebote für Jugendliche geben.
In diesem Sinne unterstützt die FDP Erkrath nachdrücklich die Initiativen zur Einrichtung von “Jugendtreffs” in Erkrath.
Integration
Vor dem Hintergrund einer tendenziell sinkenden Bevölkerungszahl wird der Ausländeranteil, d.h. der Anteil der Bürger mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit zunehmen. Umso notwendiger ist eine Integration der ausländischen Bürgerinnen und Bürger.
Kulturelle und soziale Unterschiede zwischen deutschen und ausländischen Erkrathern dürfen kein Integrationshindernis sein. Es ist auf Dauer nicht zu akzeptieren, dass die Grundschule Sandheide aufgrund ihres hohen Ausländeranteils von deutschen Familien gemieden wird.
Die menschlichen Begabungen sind unabhängig von Nationalität, Hautfarbe und Religion gleich verteilt. Ziel muss es deshalb sein, auch in der nicht-deutschen Bevölkerung Hochbegabte zu entdecken und entsprechend zu fördern.
Wirksame Integration bedeutet Hilfe zur Selbsthilfe für ein Leben in Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Die zur Integration der ausländischen Bürgerinnen und Bürger eingerichteten Betreuungsstrukturen sind kein Selbstzweck und dürfen nicht dazu führen, dass die ausländischen Bürgerinnen und Bürger in Abhängigkeiten geraten.
Beispiel für ein erfolgreiches Integrationsprojekt ist – von der FDP Erkrath nachhaltig unterstützt – der “FC Parea Schimmelbusch”. Erkrath braucht mehr solcher Projekte!
Erkrath-Marketing
Parallel zu den vorstehenden Maßnahmen muss ein Erkrath-Marketing initiiert und institutionalisiert werden.
Dementsprechend fordert die FDP die Erstellung eines umfassenden Werbekonzepts für Erkrath mit einem eingängigen Marketing-Titel und ein darauf aufbauendes Erkrath-Marketing im Umland. In dieses Werbekonzept sind – insofern “umfassend” – die bereits vorhandenen individuellen Werbe-aktivitäten der Erkrather Institutionen und Vereine, z.B. des “Arbeitskreis Tourismus in Erkrath” (AkTiE) einzubeziehen und zu unterstützen.
Ein solches Werbekonzept ist eine unabdingbare Voraussetzung, um mit Hilfe gezielter Marketing-Aktionen auf die Erkrather-Highlights aufmerksam zu machen und den Bekanntheits-grad Erkraths als attraktive Wohnstadt nachhaltig zu erhöhen.
Die FDP Erkrath bezieht Position!
Die FDP Erkrath ist nicht bereit, tatenlos zuzusehen, wie Erkrath seine Zukunftsfähigkeit aufs Spiel setzt!
Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur, Grünzüge zu erhalten, sondern auch dafür zu sorgen, dass sich in einem funktionsfähigen Gemeinwesen genügend Erkrather daran erfreuen können.
Wir brauchen in Erkrath keine Gegenwartsverwalter, sondern mehr denn je Zukunftsgestalter.
Wer nichts sät, wird auch nichts ernten. Deshalb sollten die Maßnahmen, die zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit Erkraths geboten sind, schnellstmöglich in Angriff genommen werden. Soweit im Einzelfall dafür notwendig, sind im Haushalt der Stadt finanzielle Spielräume zu schaffen.
Die FDP ist bereit, bei der Sicherung der Zukunftsfähigkeit Erkraths konstruktiv mitzuarbeiten !
Anhang: Statistische Grundlagen
Die Einwohnerzahl der Stadt Erkrath hat bis in die 2. Hälfte der 1990er Jahre stetig zugenommen, sich den letzten 12 Jahren aber kontinuierlich verringert. 1)
1984: 44.131 2004: 47.745
1992: 48.332 2006: 46.790
2000: 48.767 2008: 46.340
2002: 48.632 2010: 45.963
Im Zuge seiner Arbeiten am Stadtentwicklungskonzept hat sich das Planungsbüro plan-lokal GbR mit der Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Erkrath auseinandersetzt.
Die Bevölkerungsentwicklung ergibt sich im Einzelnen aus der natürlichen Bevölkerungs-entwicklung und dem Wanderungssaldo. Das verdeutlicht Bild 1.
Die natürliche Bevölkerungsentwicklung ist die Differenz aus Geburten und Sterbefällen. Bis Ende der 1990er Jahre war die natürliche Bevölkerungsentwicklung positiv, d.h. die Anzahl der Geburten überstieg die Anzahl der Sterbefälle. In der Folgezeit hat sich das umgekehrt: Mit tendenziell größer werdender Differenz lag die Anzahl der Sterbefläche über der Anzahl der Geburten.
Der Wanderungssaldo ist die Differenz aus Zuwanderung (“Zuzüge”) und Abwanderung (“Fortzüge”). Bis 1996 war der Wanderungssaldo Jahr für Jahr positiv, d.h. die Anzahl der Zuzüge überstieg – insbesondere aufgrund der Bautätigkeit in Hochdahl – zum Teil deutlich die Anzahl der Fortzüge. 1997 hat sich das geändert, d.h. von 1997 bis 2009 war der Wanderungssaldo negativ.
Eine der grundlegenden Fragen lautet: Wie wird sich die Bevölkerungszahl zukünftig verändern, wenn man die Entwicklung sich selbst überlässt und nicht mit entsprechenden Maßnahmen gegensteuert? Die Fortschreibung des Negativtrends der letzten Jahre führt bei plan-lokal zu der grünen Kurve in Bild 2. Ausgehend von 46.084 Einwohnern im Jahr 2009 rechnet plan-lokal unter Status-Quo-Bedingungen, d.h. insbesondere unter Verzicht auf die Schaffung zusätzlichen Wohnraums, in den nächsten 20 Jahren mit einem von Jahr zu Jahr zunehmenden Bevölkerungsrückgang und kommt für 2030 nur noch auf 38.479 Einwohner.
Parallel dazu wird sich laut plan-lokal auch der Altersaufbau der Erkrather Bevölkerung verändern. Das zeigt Bild 3. Unter Status-Quo-Bedingungen sind bis 2030 in der Altersgruppe der 40-60jährigen, der Gruppe der gesellschaftlichen Leistungsträger, die größten Verluste zu erwarten. Dagegen würden 2030 die 60-70jährigen in Erkrath die größte Bevölkerungsgruppe ausmachen.
Andererseits machen die plan-lokal-Graphiken in Bild 2 deutlich, dass die sich unter Status-Quo-Bedingungen abzeichnende Entwicklung der Bevölkerungszahl – und damit auch des Alters-aufbaus – nicht zwangsläufig so eintreten muss. Bei Schaffung zusätzlichen Wohnraums und entsprechender Zuwanderung wird sich die Bevölkerungszahl – siehe die Szenarien I-III in Bild 2 – zwangsläufig anders entwickeln als bei reiner Fortschreibung des Status-Quo.
Damit wird eines deutlich: Der Schlüssel zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit der Stadt Erkrath ist eine ausreichende Zuwanderung !
1) Quellen:
- Stadtbroschüre Erkrath, verschiedene Jahrgänge
- Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW
- Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW)
Bild 1
Quelle:
plan-lokal, Bürgerforum
“Zwischenpräsentation” 30.06.2011
Bild 2
Quelle:
plan-lokal, Bürgerforum “Zwischenpräsentation” 30.06.2011


Bild 3
Quelle: plan-lokal, Bürgerforum “Zwischenpräsentation” 30.06.2011